11.04.2017 Alter: 7 Jahr(e)
Katego­rie: Dorf­le­ben, Sons­tiges

Von: Richard Reu­ters
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Heute ver­schwin­det ein Stück Edere­ner Geschichte

Der Bahn­hof in den 1970er Jah­ren
(Foto: R. A. Bowens)

Abbruchbe­ginn heute morgen

Nach drei Stun­den ist alles erle­digt

Heute morgen wurde mit dem seit länge­rem angekün­dig­ten Abriss des alten Warte­häu­sc­hens am ehe­ma­ligen Bahn­hof Ede­ren begon­nen. Damit ver­schwin­det ein Stück Geschichte aus unse­rem Dorf.

Ein Warte­häu­sc­hen mit 64jäh­ri­ger Geschichte

Das Gebäude wurde im Jahr 1953 als Dienst- und Unter­stellhäu­sc­hen errich­tet, das ich auch selber häufig bei schlech­tem Wet­ter beim War­ten auf die Zugver­bindung nach Haus Over­bach bzw. Bar­men genutzt habe.

Nach Still­le­gung der Stre­cke Ende der 70er Jahre und nach dem Ende der Nutzung durch den Jüli­cher Eisen­­bah­nama­­teur-Club in den 90er Jah­ren ver­fiel das Gebäude zuse­hends. Eine kurze Blütezeit erlebte das Häu­sc­hen ink­lusive des umge­be­nen Gelän­des, als die Freiwil­lige Feuer­wehr dort einen Grill­platz anlegte. Die­ser wurde aber nur sehr kurz genutzt und danach war das Gelände endgül­tig dem Ver­fall preisgege­ben.

Ein umstürzen­der Baum zer­störte vor ein paar Jah­ren Teile des Giebels und des Daches und gab den Dach­stuhl dem Regen preis. Die Düre­ner Kreis­bahn (DKB) als Besitzer ent­schied dann im ver­gan­ge­nen Jahr das Gebäude abreißen zu las­sen.

Bahnver­kehr seit 1912

Der Bahn­hof Ede­ren war Teil der etwa 15 km lan­gen Bahn­­stre­­cke Jülich-Puf­fen­dorf, die 1912 in Betrieb genom­­men wurde. Die Ver­­bindung nutz­­ten vor­­wiegend Schüler und Pend­ler, die Anzahl der täg­l­i­chen Fahr­­ten schwankte im Laufe der Zeit zwi­­schen vier und sie­­ben pro Tag.

Wäh­rend des ers­­ten Welt­­krieges lief der Betrieb fast ohne Unter­bre­chun­gen wei­­ter. Im zwei­­ten Welt­­krieg wurde der Betrieb erst 1945 wegen der sich näh­ern­den Kriegsfront ein­ge­­stellt. Der Bahn­hof Ede­ren wurde voll­­kom­­men zer­­stört.

In den 1950er Jah­ren wurde der Rüb­­en­­transport immer bedeu­­ten­der, wor­auf die Jüli­cher Kreis­­bahn mit dem Bau von Ver­­­lade­r­ampen an den Bahnhöfen rea­gierte. 1974 wurde auch am Edere­ner Bahn­hof eine fahrbare Hub-Kippbühne errich­­tet. Der letzte Zuckerrüb­­en­­transport erfolgte 1981, weil die Zuckerfa­brik die Anliefe­rung über Schiene ablehnte.

Bis 1972 wur­den die Bahnübergänge durch Pos­­ten mit Fah­­nen gesi­chert, dar­­aufhin wur­den Blink­­anla­gen ein­ge­rich­­tet.

Ab 1981 führte der Eisen­­bah­nama­­teur-Club Jülich bis in die 90er Jahre auf der Stre­­cke unregelmäßig Nost­­algie­fahr­­ten durch. 1998 wurde die Stre­­cke zwi­­schen Mer­zen­hausen und Puf­fen­dorf betrieb­­lich gesperrt. Am 30.9.2007 wurde das offi­zi­elle Still­le­gungs­­ver­­fah­ren ein­ge­lei­­tet. Im Zuge des noch lau­fen­den Ver­fah­rens wurde im Juni 2016 auch der Bahnübergang zwi­schen Ede­ren und Mer­zen­hausen demon­tiert.