19.09.2022 Alter: 79 Tag(e)
Katego­rie: Vor x Jah­ren

Von: Richard Reu­ters
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Heute vor 99 Jah­ren: Der Edere­ner Bergmann Johann Len­zen wird ermor­det

Der Edere­ner Bergmann Johann Len­zen wird in der Welzer Ben­den beim Kühe hüten erschos­sen.

Erin­ne­rungs­kreuz am Tat­ort in den Welzer Ben­den
(Foto: Richard Reu­ters, 1982)

Die Chro­nik der Bürgermeiste­rei Ede­ren berich­tet unter dem Jahr 1923 vom Mord an den Edere­ner Bergmann Johann Len­zen:

„Durch eine Mord­­tat wurde am 19. Sep­­tember 1923 die hie­­sige Gegend in Auf­­re­gung ver­­­setzt. Um die Mit­­­tags­­stunde des genann­­ten Tages ist der 23jäh­­rige Bergmann Johann Len­­zen aus Ede­ren, ein all­­seits belieb­­ter und braver jun­­ger Mann, in den Ben­den zwi­­schen Ede­ren und Welz, beim Kühe hüten erschos­sen wor­den. Die Täter, 2 unbe­kannte Män­ner, ergriffen sofort die Flucht und konn­­ten bis jetzt nicht ermit­­­telt wer­den, trotzdem eine Beloh­­nung von 2 Mil­li­ar­den Mark durch den Herrn Land­­rat auf die Ergreifung der Mör­der aus­­ge­­setzt wurde. Hoff­ent­­lich wird diese Tat doch noch mit der Zeit ihre Sühne fin­den.“

 

Die Tages­zei­tung berich­tet am glei­chen Tag in der Rubrik „Nach­rich­ten aus Stadt und Land“:

Ein Mord bei Welz.

Welz, den 19. Sep­tember 1923.

„Eine grau­envolle Mord­tat, wel­che heute um die Mit­tags­stunde auf dem Wege von Welz nach Floßdorf began­gen wor­den ist, hat nicht nur den Ort, sondern einen großen Teil der linksr­u­ri­schen Seite des Krei­ses Jülich in Auf­re­gung ver­setzt. Die grau­envolle Tat ist umso ver­ab­scheuungs­wür­di­ger, als durch sie ein in sei­nem Heimatdorfe Ede­ren sehr geach­te­ter jun­ger Mann, der 23jäh­rige Bergmann Johann Len­zen in fri­voler Weise durch zwei ruch­lose Mör­der getö­tet wor­den ist. Die Trauer um den Hin­ge­schiede­nen und seine Familie ist allgemein. Der Wunsch ist nur zu berech­tigt, daß die feige Tat der Mör­der irdi­sche Sühne fin­den möge. Die bishe­rigen Ermit­t­lun­gen haben zu folgen­den Ergeb­nis­sen geführt: kurz nach 11 Uhr befan­den sich drei Kar­toffelhamste­rer aus Eschweiler mit ihrer Last auf dem Rücken auf dem Wege zwi­schen Floßdorf und Ede­ren in der Nähe eines Wei­den­gebüschs. Plötz­lich erhält einer von ihnen einen Schrot­schuß ins Gesicht. Ein Schütze war nicht zu sehen. Die Hamste­rer ver­mu­ten den Täter unter drei Per­so­nen, die in der Nähe im Grase liegen. Es waren dies der ermor­dete Johann Len­zen aus Ede­ren, der der die Kuh sei­ner Vaters hütete, Hubert Ulrich aus Ede­ren sowie Heinrich Ram­rath aus Welz. Sie gehen auf diese zu und stel­len sie zur Rede. Die drei bestrei­ten und leh­nen es ent­schieden ab, Räu­ber zu sein, die aus dem Hin­ter­halt schießen. Sie ver­wei­sen aber auf das nahegelegene Wei­den­gebüsch und ver­mu­ten, daß dort die Täter sich ver­borgen hal­ten. Ram­rath ist der erste, der das Gebüsch durch­sucht und bald sieht, daß tat­säch­lich dort zwei Kerle mit Geweh­ren liegen, wel­che, als sie sich ent­deckt sehen, die Gewehre auf Ram­rath anlegen. Wäh­rend die­ser in Deckung geht und die übrigen fünf Per­so­nen herbei­ruft, ergrei­fen die fei­gen Schüt­zen die Flucht. Bei der Ver­folgung ist Len­zen der vor­derste. Als er den Flüch­t­en­den auf einige Meter nahe ist, wen­det der ältere und größere der bei­den Mör­der sich um, zielt auf Len­zen und ...“ [weite­rer Text fehlt]

 

Noch am sel­ben Tag lobt der Land­rat eine Beloh­nung für die Ergreifung der Täter aus. Die Täter wur­den allerdings nie gefasst.

„Am Mit­t­woch, den 19. Sep­tember ist mit­tags gegen 12 Uhr in der Nähe von Welz (Kreis Jülich) der Bergmann Johann Len­zen aus Ede­ren, 23 Jahre alt, ermor­det wor­den. Als Täter kom­men inbe­tracht zwei Per­so­nen, von wel­chen der eine 30 bis 35 Jahre alt ist, feldgrauen Rock und lange Hose von glei­cher Farbe, der andere, 20 bis 25 Jahre alt, brau­nen Rock und schwarze Gama­schen trug. Beide hat­ten graue Tel­ler­müt­zen auf und trugen benagel­tes Schuhzeug (Berg­arbeiter­schuhe). Sie waren beide von mit­tle­rer Größe, jedoch war der ältere 'etwas' größer als der jüngere. Im Gesicht waren beide mager. Beide hat­ten ver­mut­lich eine ein­läufige Jagdfl­inte bei sich.

Auf die Ermit­t­lung der Täter setze ich eine

Beloh­nung von 2 Mil­li­ar­den Mk.

aus. Hohe Beloh­nun­gen sichere ich auch denje­nigen zu, wel­che zweckdi­en­li­che Anga­ben machen, die zur Ermit­t­lung der Täter füh­ren. Die Anga­ben sind der nächs­ten Polizeiver­wal­tung oder dem Land­rat­s­amt Jülich, Fern­spre­cher 21 und 60, zu machen. Ver­schwiegen­heit wird zuge­si­chert.

Jülich, den 19. Sep­tember 1923.

Der Land­rat.
I.V.: Dr. Fischer“

Zei­tungs­be­richt über den Mord an Johann Len­zen, 1923
Aus­schreibung einer Beloh­nung über 2 Mil­li­ar­den Mark, 1923